04.09.2010
 

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iO Florenz: Optisch fehlt ihm zum „normalen“ Scooter nichts. Nur viel leiser ist er. © Krämmer Autotechnik
 
 
 
Ein kleiner niederösterreichischer Kfz-Fachbetrieb entwickelt fesche Elektro-Roller und lässt sie in China zusammenbauen


Brunn am Gebirge. Das Irritierende am iO Florenz ist nicht, dass er ein Roller ist – was für leistungsaffine Fahrer von „echten“ Motorrädern etwas gewöhnungsbedürftig sein kann – sondern, dass man ihn nicht hört. Gar nicht. Obwohl der (Elektro-)Murl auf Anhieb per Schlüssel-Dreh erwacht. Still bleibt. Man möchte auf den – nicht vorhandenen – Startknopf drücken, weil er ohrenscheinlich so gar keinen Laut von sich gibt. Doch ein Dreh am „Gasgriff“ beweist: Der Motor ist wach. Er läuft. Und fährt. Wie ein ganz „normaler“ 50 ccm-Scooter mit dem gesetzlich verordneten V-Max von (abgeregelten) 45 km/h.

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iO = in Ordnung


Begonnen hat das Kapitel iO vor viereinhalb Jahren. Initiator und Schöpfer Bernd Kraemmer, Boss des Kfz-Fachbetriebes Kraemmer Autotechnik in Brunn am Gebirge: „Da bin ich in Italien einen Elektro-Roller Probe gefahren. Und mir hat die Idee gefallen.“ Der Spezialist für Oldtimer und Tuning mit starker Zweirad-Neigung machte sich daran, seinen eigenen E-Roller zu bauen. Name: iO. Was weder ein Kürzel für irgendwelche Namen ist, sondern unter anderem für einen technischen Terminus steht: iO steht für in Ordnung. Und der Italien-Liebhaber weiß: io = ich.

Als Herz und Antrieb nahm Kraemmer einen bürstenlosen 2.200 W-Radnabenmotor. Ein Power-Button pusht die Leistung kurzfristig auf 3.500 W (sehr nützlich bei Steigungen). Als Chassis gab er ein konventionelles Rollergestell à la Vespa & Co. – rund um einen Stahlrahmen – vor und ging für die Produktion der (Kunststoff-) Karosserie sowie für den Zusammenbau nach China. Die E-Power kam anfangs von herkömmlichen Batterien, die derzeitigen serienmäßigen Silikon-Kraftzellen gestatten dem Florenz eine Reichweite von rund 90 km (Ladezeit: zwei bis vier Stunden). Diese können durch optionale Lithium-Batterien ersetzt werden, was die Reichweite auf 120 km erhöht. Das gilt in etwa auch für das erste Modell, den 1500 GT. Beide haben an einem Fahrzeuggewicht von rund 145 Kilo nicht mehr zu tragen als andere Scooter auch.
 
Über die Akzeptanz seiner Elektro-Roller sagt Kraemmer: „Eine Schwellenangst ist da. Die Leute sind anfangs skeptisch.“ Funktionalität, Haltbarkeit, Reichweite – die Gründe sind vielfältig: „Doch sobald die Fahrzeuge im Verkehr unterwegs sind und wahrgenommen werden, werden die Vorbehalte weniger.“ Nach zwei bis drei Jahren habe sich eine Eigendynamik entwickelt.  In Zahlen heißt das: Ende 2008 werden in Österreich 600 iO-E-Scooter verkauft sein. Die gehen nicht nur in die Hände von Privaten – „meist fungieren sie als Zweitfahrzeuge, ganz stark im ländlichen Raum“, so Kraemmer –, auch Firmen bestellen die Leisetreter teils gleich 50-Stück-weise. Für 2009 rechnet der iO-Boss mindestens mit einer Verdoppelung im Inland. Rund drei Viertel der derzeitigen Jahresproduktion von 2.000 Einheiten gehen ins Ausland. In zwölf Länder. Unter anderem auch nach Saudi-Arabien.   Nicht nur dorthin, sondern auch in ganz neue Märkte soll der neueste Entwicklungsstreich fahren, der gerade seiner Serienreife entgegengeht: Der Bimoto mit zwei Radnabenmotoren, einer vorne, einer hinten, also ein Allradler.  An die internationale Öffentlichkeit geht Bernd Kraemmer mit seinen bestehenden und dem kommenden Modell demnächst (wieder) auf der Intermot in Köln, von 8. bis 12. Oktober, in deren Rahmen unter dem Titel „Innovationszentrum“ gezeigt wird, was die Hersteller an alternativen Antrieben zu bieten haben. Damit liegt iO zweifach im Trend, dem zum umweltfreundlichen Fahren und dem zum Roller.

 
 
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