|
Ein kleiner niederösterreichischer Kfz-Fachbetrieb entwickelt fesche Elektro-Roller und lässt sie in China zusammenbauen
Brunn am Gebirge.
Das Irritierende am iO Florenz ist nicht, dass er ein Roller ist – was
für leistungsaffine Fahrer von „echten“ Motorrädern etwas
gewöhnungsbedürftig sein kann – sondern, dass man ihn nicht hört. Gar
nicht. Obwohl der (Elektro-)Murl auf Anhieb per Schlüssel-Dreh erwacht.
Still bleibt. Man möchte auf den – nicht vorhandenen – Startknopf
drücken, weil er ohrenscheinlich so gar keinen Laut von sich gibt. Doch
ein Dreh am „Gasgriff“ beweist: Der Motor ist wach. Er läuft. Und
fährt. Wie ein ganz „normaler“ 50 ccm-Scooter mit dem gesetzlich
verordneten V-Max von (abgeregelten) 45 km/h.
> weiter lesen
iO = in Ordnung
Begonnen hat das Kapitel iO vor
viereinhalb Jahren. Initiator und Schöpfer Bernd Kraemmer, Boss des
Kfz-Fachbetriebes Kraemmer Autotechnik in Brunn am Gebirge: „Da bin ich
in Italien einen Elektro-Roller Probe gefahren. Und mir hat die Idee
gefallen.“ Der Spezialist für Oldtimer und Tuning mit starker
Zweirad-Neigung machte sich daran, seinen eigenen E-Roller zu bauen.
Name: iO. Was weder ein Kürzel für irgendwelche Namen ist, sondern
unter anderem für einen technischen Terminus steht: iO steht für in
Ordnung. Und der Italien-Liebhaber weiß: io = ich.
Als Herz und
Antrieb nahm Kraemmer einen bürstenlosen 2.200 W-Radnabenmotor. Ein
Power-Button pusht die Leistung kurzfristig auf 3.500 W (sehr nützlich
bei Steigungen). Als Chassis gab er ein konventionelles Rollergestell à
la Vespa & Co. – rund um einen Stahlrahmen – vor und ging für die
Produktion der (Kunststoff-) Karosserie sowie für den Zusammenbau nach
China. Die E-Power kam anfangs von herkömmlichen Batterien, die
derzeitigen serienmäßigen Silikon-Kraftzellen gestatten dem Florenz
eine Reichweite von rund 90 km (Ladezeit: zwei bis vier Stunden). Diese
können durch optionale Lithium-Batterien ersetzt werden, was die
Reichweite auf 120 km erhöht. Das gilt in etwa auch für das erste
Modell, den 1500 GT. Beide haben an einem Fahrzeuggewicht von rund 145
Kilo nicht mehr zu tragen als andere Scooter auch.
Über die
Akzeptanz seiner Elektro-Roller sagt Kraemmer: „Eine Schwellenangst ist
da. Die Leute sind anfangs skeptisch.“ Funktionalität, Haltbarkeit,
Reichweite – die Gründe sind vielfältig: „Doch sobald die Fahrzeuge im
Verkehr unterwegs sind und wahrgenommen werden, werden die Vorbehalte
weniger.“ Nach zwei bis drei Jahren habe sich eine Eigendynamik
entwickelt. In Zahlen heißt das: Ende 2008 werden in Österreich 600
iO-E-Scooter verkauft sein. Die gehen nicht nur in die Hände von
Privaten – „meist fungieren sie als Zweitfahrzeuge, ganz stark im
ländlichen Raum“, so Kraemmer –, auch Firmen bestellen die Leisetreter
teils gleich 50-Stück-weise. Für 2009 rechnet der iO-Boss mindestens
mit einer Verdoppelung im Inland. Rund drei Viertel der derzeitigen
Jahresproduktion von 2.000 Einheiten gehen ins Ausland. In zwölf
Länder. Unter anderem auch nach Saudi-Arabien.
Nicht nur
dorthin, sondern auch in ganz neue Märkte soll der neueste
Entwicklungsstreich fahren, der gerade seiner Serienreife entgegengeht:
Der Bimoto mit zwei Radnabenmotoren, einer vorne, einer hinten, also
ein Allradler. An die internationale Öffentlichkeit geht Bernd
Kraemmer mit seinen bestehenden und dem kommenden Modell demnächst
(wieder) auf der Intermot in Köln, von 8. bis 12. Oktober, in deren
Rahmen unter dem Titel „Innovationszentrum“ gezeigt wird, was die
Hersteller an alternativen Antrieben zu bieten haben. Damit liegt iO
zweifach im Trend, dem zum umweltfreundlichen Fahren und dem zum Roller.
|